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Ostfriesen in der Krummhörn

Menschen und ihre Geschichten im äußersten Nordwesten

OstfrieslandDas Land ist flach, der Himmel weit, die Menschen sind typisch. Zwischen Ems und Jade leben rund 500 000 Menschen, die Region Ostfriesland ist dünn besiedelt, vielerorts werden noch heute uralte Traditionen gepflegt. Schwarzbunte Kühe grasen auf saftigen Weiden, die Deiche schützen das Land vor der Nordsee. Die ostfriesische Landschaft ist geprägt von Kanälen, Windmühlen und Leuchttürmen – in den letzten Jahren auch immer mehr von Windkraftanlagen. Historisch gewachsen sind die einzelnen Regionen dieses Landstriches.

KrummhörnGanz im Nordwesten liegt die Krummhörn. Die Bezeichnung Krummhörn stammt aus dem Plattdeutschen und bedeutet so viel wie krumme Ecke – ein Blick auf die Landkarte verdeutlicht das: Der südwestliche Zipfel der ostfriesischen Halbinsel sticht deutlich hervor und ragt, einer Nase oder Ecke ähnlich, nach Südwesten hinein. In der Vergangenheit war diese Gegend von mehreren tief ins Land eindringenden Buchten gesäumt, so dass sich verwinkelte („krumme“) Landstriche ergaben. Ein Markenzeichen der Region ist der Leuchtturm von Campen.

Frieda StombergUnd besonders sind auch die Menschen. Hier sind die Ostfriesen noch ursprünglich – in 19 Ortsteilen leben nur knapp 13 000 Einwohner. Eine von ihnen ist Frieda Stomberg aus Manslagt. Sie ist eine echte Type – burschikos, unerschrocken, seit 19 Jahren Vorsitzende des AWO-Ortsvereins. Frieda Stomberg ist die Königin der Kuchen und Torten. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen im Dorf organisiert sie etliche Feste und Veranstaltungen – und immer für einen guten Zweck. Fast jeden Monat veranstaltet die AWO das Sonntags-Cafe in der alten Schule. Dann gibt es Ostfriesentee, Kaffee und Kuchen fürs ganze Dorf. Und die Einnahmen sind für den Elternverein krebskranker Kinder Ostfriesland bestimmt. Diese Organisation betreut derzeit etwa 100 betroffene Familien zwischen Weser und Ems. Frieda Stomberg, ihre Tortenbäckerinnen und das gesamte AWO-Team haben in acht Jahren bereits mehr als 30 000 Euro eingenommen und gespendet. Auch viele Sponsoren konnten motiviert werden, etwas für die krebskranken Kinder zu tun. „Das macht uns stolz. Und wir wollen, dass andere es nachmachen“, sagt die AWO-Vorsitzende.

SimonSeit Anfang des Jahres ist ihre Familie leider auch selbst betroffen. Der zwölfjährige Enkel Simon ist im Januar an Krebs erkrankt und muss seitdem regelmäßig nach Oldenburg. Dort bekommt er Bestrahlungen und eine Chemotherapie. Zur Schule kann er nicht mehr gehen – zu groß wäre die Gefahr, sich eine Infektion einzufangen. Dafür kommt die Lehrerin jetzt zu ihm nach Haus – zweimal die Woche. Und das mit Erfolg. Simon schreibt durchweg gute Noten. Die Behandlungen auf der Kinderkrebsstation des Klinikums Oldenburg sind aber sehr nervenaufreibend. Die gesamte Familie leidet darunter. Beim Sonntags-Cafe der AWO ist Simon mit Bruder Ocko, Vater Rainer und Mutter Simone da – denn am Stand der Frauengruppe Manslagt gibt es sein Leibgericht: Mehlpüüt. Das ist ein Hefekuchen, der zusammen mit Vanillesoße und heißen Birnen serviert wird.

Theo JanssenOft an der Seite der Familie Stomberg ist Theo Janssen aus Groothusen. Er ist der Vetter von Frieda und setzt sich ebenfalls seit Jahren für krebskranke Kinder ein. Bei ihm entstand dieses Engagement durch ein Schlüsselerlebnis. Theo Janssen erkrankte vor acht Jahren an Prostata-Krebs. In der Klinik in Oldenburg sah er die vielen krebskranken Kinder und entschied für sich: Wenn ich hier gesund wieder raus komme, dann werde ich was für diese Kinder tun. Gleich danach krempelte er sein ganzes Leben um und begann sich sozial zu engagieren. Seit drei Jahren ist er auch als „Lükko Leuchtturm“ in der Krummhörn unterwegs. Gelbes T-Shirt, rote Hose, grüne Gummistiefel – so avancierte er mit den Jahren zum Liebling der Kinder. Theo Janssen ist jetzt Rentner – er liest in Grundschulen und Kindergärten plattdeutsche Geschichten vor, organisiert Kindergottesdienste oder hilft mit auf einem Gnadenhof für Tiere. Vor einigen Jahren wurde er von einer Lokalzeitung zum „Mensch des Jahres“ nominiert und kam unter die ersten fünf.

Carmen AppelhagenAuf seinem Weg zum Kindergarten nach Groothusen trifft Theo auf Carmen Appelhagen. Sie ist fünfmal pro Woche mit ihrem Fleischerei-Fahrzeug in der Krummhörn unterwegs und beliefert die Kunden von Haus zu Haus. Sie kennt die Sorgen und Nöte der Menschen und fühlt sich hier auch ein Stück weit zu Hause. Carmen Appelhagen ist in Pilsum aufgewachsen- noch heute schlägt ihr Herz höher, wenn sie durch dieses Dorf fährt. Inzwischen lebt die frühere Rechtsanwaltsgehilfin auf einem Bauernhof in Neuwesteel – nur einige Kilometer jenseits der Krummhörn. Dort lebt ihr Vater. Er ist 88 Jahre alt und bewirtschaftet noch den gesamten Gemüsegarten. Kartoffeln, Grünkohl, Gurken und Bohnen soweit das Auge reicht. „Wenn ich nachmittags nach Hause komme und sehe meinen Vater im Garten, dann weiß ich, das alles in Ordnung ist“, sagt Carmen. Sie würde ja gerne auch in der Krummhörn leben – aber ihren Vater lässt sie nicht allein.

Das WurstmobilVor 14 Jahren hat Carmen Appelhagen neben dem Hof ihres Vaters ein schmuckes Einfamilienhaus gebaut. Dort lebt sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten und ihren beiden erwachsenen Söhnen. Jeden Morgen packt sie in aller Frühe ihren Verkaufswagen an der Fleischerei ihres Bruders Enno in Norden. Er war es, der vor sechs Jahren die Idee hatte, die Menschen in der Krummhörn mit frischen Fleischwaren zu beliefern. Die Rechnung ging auf – inzwischen sind Carmen und ihr Wurstmobil nicht mehr wegzudenken. Denn in vielen Dörfern der Krummhörn wurden gerade in den letzten Jahren kleine Läden geschlossen. Bäckereien, Fleischereien und vor allem Gaststätten gaben auf, weil die Bevölkerungszahl in der strukturschwachen Region immer mehr zurückgeht.

Frank BaumannDieses Problem kennt auch Frank Baumann. Er ist „Krummhörner durch und durch“, arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei der Gemeinde und kennt die Region wie kaum ein anderer. Frank Baumann tanzt auf vielen Hochzeiten: Er ist Leiter des Posaunenchores in Pilsum, Stellvertreter des Bürgermeisters, er moderiert Veranstaltungen wie das bekannte Schlickschlittenrennen, er fungiert als Projektleiter für den Bau des neuen Rathauses und er macht Gästeführungen in Greetsiel. Seit vielen Jahren hat die Krummhörn intensive Kontakte nach Iowa. Denn vor mehr als 100 Jahren sind viele Krummhörner in die USA ausgewandert, viele ältere Menschen dort sprechen immer noch plattdeutsch. Die Nachfahren dieser Generation sind jetzt häufiger in Ostfriesland zu Gast. Bei einer Führung von Jugendlichen aus Grundy Center (Iowa) erzählt ihnen Frank Baumann in Greetsiel mit einem Augenzwinkern, dass sie in diesem kleinen Hafen nur zwei Worte brauchen: Moin und Granat. Gemeint sind die Krabben, die hier noch täglich von den 27 Krabbenkuttern angelandet werden.

Kreuzkirche von PilsumJedes Jahr zu Pfingsten klettert Frank Baumann mit seinem Posaunenchor auf den 40 Meter hohen Turm der Pilsumer Kreuzkirche. „Es ist schon ein wenig abenteuerlich“, sagt der 47jährige Dirigent. In schwindelnder Höhe spielen sie dann ihre Lieder, die weit über das Dorf hinaus zu hören sind. Ähnlich feierlich geht es auch oft am Pilsumer Leuchtturm zu. Bis zu 200 Paare geben sich dort pro Jahr das Ja-Wort. Und auch dort hat Frank Baumann eine Aufgabe. Wenn Eheleute sich beispielsweise nach 25 Jahren noch mal das Eheversprechen geben wollen, dann macht er das. „Es macht mir einfach Spaß, meine Heimat so präsentieren zu können, wie ist sie empfinde“, sagt der umtriebige Ostfriese. Wenn er einmal im Urlaub oder auf Geschäftsreise war und dann bei der Rückkehr wieder die Krummhörner Kirchen sieht, dann sagt er „Welt hett mi weer!“

Wiederholung: 01. September 2013 um 01.45 Uhr, NDR-Fernsehen

1. Hermann Aden schrieb am 30.08.2013

wirklich klasse, ein tolles und einfühlsames Portrait der Krummhörn und ihrer Menschen.

2. Jan Bruins schrieb am 30.08.2013

Hallo Johann, Lükko finde ich gut! Netter Film. Habt ihr auch diesmal auch im Frühjahr gedreht? Auffällig, viel Händeschütteln und immer wieder tauchen die Akteure bei vielen Gelegenheiten immer wieder auf - bestimmt kein Zufall. oder? Ach ja, auch mehr Plattdeutsch... Und, die Bildqualität ist auch besser geworden. HD? Schön und kurzweilig - ein netter Film! Liebe Grüße jan

3. Walter Bruegma schrieb am 30.08.2013

Der Film ist sehr gut gelungen!Er zeigt das wahre Leben ,ohne Schnickschnack und Ausschmückungen, in diesem Teil Osfrieslands.Sehr positiv finde ich,dass verschiedene alte Bräuche gezeigt werden.Dieser Film wird sicher etliche Vorurteile über Ostfriesland ausradieren.Aus Rücksicht auf die Menschen,welche kein Plattdeutsch verstehen,wurden die Passagen wohl größtenteils in Hochdeutsch gedreht...eigentlich schade! Platt gehört nun einmal zu Ostfriesland und die Darsteller sprechen normalerweise ganz sicher selten Hochdeutsch!Bestimmt werden wir uns diesen Film mehrmals ansehen und ihn unerem Bekanntenkreis in Nah und Fern ans Herz legen.

4. Roland Weinschenk schrieb am 31.08.2013

Hallo Herr Ahrens, ein klasse Film "Ostfriesen in der Krummhörn". Habe mich gestern Abend nicht "satt" sehen können. Tolle menschlich warme Typen, wie die Schwaben ...

5. Klaus schrieb am 01.09.2013

film ist dir gut gelungen.alles echt,wie im wahren leben.

6. Hinrich Trauernicht schrieb am 01.09.2013

Der Krummhörn-Film am Freitag war sehr gut! Meine Frau und ich haben ihn uns mit großer Begeisterung angesehen.
Viele Grüße aus Spetz,
Hinni Trauernicht

7. Achim von Glan schrieb am 02.09.2013

Anerkennung
für die Sendung. Nicht im deutschlandweiten Stil von Heike Götz, sondern
weiter entwickelt mit einigen wenigen Akteuren. Ich habe keine direkte
Beziehung zur Krummhörn und wurde jetzt autentisch informiert. Heile Welt
nicht nur in Bayern.
Wo darf ein Dorfchor sonst von den "Ahnen" singen, ohne dass ironisiert
wird oder die Schatten der Vergangenheit bemüht werden!
Vielen Dank und weiter so!
Achim von Glan
*1937

8. Tanja Tippmann schrieb am 04.09.2013

Was war das schön....mehr von solchen Beiträgen!!! Die Krummhörn hat es verdient. Auch für alte Hasen äh Touristen wie wir es sind haben wir Neues entdeckt und werden im Dezember vor Ort alles besuchen!!

9. Ulrich Bartenschlager schrieb am 06.09.2013


Hallo Herr Ahrends,
den Filmbericht über die Krummhörn fand ich sehr gut. Ich fahre schon seit vielen Jahren im Urlaub nach Schoonorth.
Die Serie Nordstory ist sehr gelungen, weiter so.

Viele Grüße aus Baisweil im Landkreis Ostallgäu

Ulrich Bartenschlager

10. Jan Ites schrieb am 09.09.2013

Die sendung war sehr interessant und hat uns gut gefallen

11. Andrea B. schrieb am 12.09.2013

Moin Herr Ahrends,
Ihr TV-Beitrag zeigt bildhaft unsere Gründe auf, warum wir in diese Gegend gezogen sind. Die Herzlichkeit der Ostfriesen sowie die Schönheit der Landschaft haben den Wechsel aus der Großstadt besonders leicht fallen lassen.
Ganz besonders hat mir der Beitrag über das Fleischermobil von Enno Appelhagen gefallen. Den flexiblen Service, der auch Sonderwünsche berücksichtigt, möchten wir nicht mehr missen!

12. Svenja Hüllen schrieb am 12.09.2013

Ein wirklich gelungener Beitrag, der sogar die Jugend von heute anspricht. Und es wurde gezeigt wo die leckerste Wurst der Region herkommt.

13. Wulf-Ingo Schöne schrieb am 21.09.2013

Ein sehr guter Film, der authentisch zeigt wie die Ostfriesen ticken, nett,hifsbereit,traditionsbewußt und offen für alles Neue. Wir freuen uns in dieser schönen,und liebenswerten Region zu arbeiten und zu leben. Ingo und Gesa Schöne aus Norden.

14. Herbert Moos aus 68623 Lampertheim/Hessen schrieb am 22.09.2013

Der Film über die Krummhörn und seine Bewohner hat mir super gefallen.
Noch schöner war für mich das persönliche kennenlernen mit ihnen am:
21.9.2013 vor der Bäckerei Schuirmann in Norden.Vielen Dank für die gute
Leberwurst.
Ich wünsche ihnen weiterhin gute Geschäfte ,ihnen und ihrer Fam.viel
Gesundheit und Glück.


Anmerkung des Autoren: Sicher meint er Carmen ;-)) Ich drehe weiter Filme und bin nicht umgestiegen auf Leberwurst ;-))

15. Wilhelm D Dopp schrieb am 23.09.2013

Meine Mutter war von Groothusen und der name ist Frieda Weerman. Meinen Opa ist angegeben in der Kirche von Groothusen als soldat gestorben in 1914. Ich wohne selber in der USA.

16. Volker schrieb am 07.10.2013

http://www.einslive.de/comedy/o_ton_charts/

Die Sendung hat es sogar in die O-Ton Charts des WDR-Senders 1Live geschafft, herzlichen Glückwunsch

17. Joachim Manssen schrieb am 18.11.2013

Sehr guter Beitrag. Hier wird ersichtlich, wie sich einige Betriebe um die eigene Regoin kümmern, auch wenn diese teilweise Struckturschwach ist.
So tragen sie zur Grundversorgung bei.

18. Marion F. schrieb am 03.01.2014

Seit vielen Jahren verbringen wir unseren Urlaub in der Krummhörn, der Film zeigt alle Gründe, weshalb wir uns dort so wohl fühlen. Toll finden wir Frau Appelhagen und ihren Verkaufswagen. Es ist schön zu sehen, wie sie sich um die Menschen kümmert. Sie ist tatsächlich so nett wie im Film und die Wurst schmeckt super!

19. Rudi Reindel, Schwager von Berend Wolthoff (Neu-Etum) schrieb am 07.01.2014

Dieser Film zeigt in bedeutsamer Weise das Leben der Menschen und der Landschaft in der Krummhörn. Ich als Bayer wurde an die vielen schönen Urlaubstage erinnert, die ich mit meiner Familie bei meinen Verwandten erleben durfte. Ein tolles Gefühl!
Liebe Grüße an die Familie Appelhagen, insbesonders an Carmen.

20. Karl-Heinz Breuer schrieb am 03.10.2014

Sehr geehrter Herr Ahrends, Ihre o.a. Reportage habe ich mit Freude und Interesse gesehen. Meine Ehefrau und ich sind Ostfrieslandfreunde und verbringen jedes Jahr unseren Urlaub in Groothusen.

Wir würden uns freuen, wenn es zu der o.a. Reportage einmal eine Fortsetzung geben würde. Denn das Schicksal des krebskranken Jungen würde uns sehr interessieren. Sicher gibt es ja auch noch weiteres Sehenswertes dort (romantische Dörfer usw.).

Freundliche Grüße

Karl Heinz und Lisa Breuer

21. Silvia.habermann schrieb am 04.07.2017

Suche das kuchentezept von der heutigen Sendung ein altes kuchenrezept das mit Birnen Kompott gegessen wir. Danke