Wir retten unser altes Haus (6)
Vom Leerstand zum Treffpunkt
In vielen Dörfern Niedersachsens wurden in den letzten Jahren Kneipen, Discotheken, Geschäfte oder Bäckereien geschlossen – oder der Betrieb wurde eingeschränkt. Nun fehlen den Menschen oft die Treffpunkte, an denen sie sich begegnen und unterhalten können. Wir zeigen drei Beispiele aus Niedersachsen, wo sich Bürger gemeinsam engagieren, um diesem negativen Trend entgegenzuwirken. Und wir zeigen die Bemühungen, die für Ostfriesland so typischen Gulfhäuser zu retten.
Silke Gröninger und Thomas Wernemann kämpfen an der Spitze einer Dorfgemeinschaft für einen neuen Treffpunkt in ihrer Heimat. In ihren Dörfern Groß- und Klein Hesepe im Emsland leben rund 3300 Einwohner, aber eines fehlt: Ein Ortsmittelpunkt mit einem Dorfgemeinschaftshaus. Silke Gröninger kam darum 2024 auf die Idee, eine leerstehende Gaststätte im Zentrum umzubauen. Die von ihr gegründete Bürger-Gemeinschaft ist inzwischen eine GmbH mit 470 stillen Gesellschaftern. Fast jedes Wochenende packen unzählige Dorfbewohner an - viel in Eigenleistung und Handarbeit. Das 4400qm große Gebäude soll nicht nur Dorfgemeinschaftshaus werden, sondern auch Wirtshaus und Hotel.
Ein ganz besonderes Projekt hat sich eine Bürgergenossenschaft in Oldenburg vorgenommen. Sie will ein altes, englisches Kino auf einem Kasernengelände wieder zum Leben erwecken. 1954 gebaut von der britischen Armee, diente das „Globe“ vor allem der Unterhaltung stationierter Soldaten. 2016 entdeckten einige Bürger das denkmalgeschützte Gebäude und organisierten die Rettung. 900 Genossenschaftsmitglieder gibt es bereits – und es werden immer mehr. Regelmäßig helfen über 40 Ehrenamtliche mit. Seit 2020 wird schon gebaut – aber immer wieder geht das Geld aus. Jetzt soll das „Globe“ endlich wieder eröffnen und ein Ort der Kultur und Begegnung werden – mit Konzerten, Varieté und englischsprachigem Theater.
Und im malerischen Fischerdorf Greetsiel hat sich der Ruheständler Johannes Cassens viel vorgenommen. Zusammen mit zwei jüngeren Investoren will er die Teestube „Poppingas Alte Bäckerei“ von Grund sanieren. Dieser Treffpunkt war schon immer ein besonderes Highlight für Einheimische und Touristen. Das Haus liegt mitten im Ortskern und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Bis 2020 wurde es mit seinen sieben alten Butzen und einer historischen Inneneinrichtung als gemütliche Teestube betrieben – seitdem stand es leer. Jetzt haben sich drei Männer an das Projekt herangewagt und sind mit viel Enthusiasmus gestartet.
Das Herzstück der Teestube ist ein 200 Jahre alter Kaufmannsladen. Er wird vor den Bauarbeiten demontiert und in der Werkstatt der Möbel-Restauratorin Mirja Harms (Leer) aufgearbeitet. Sie versucht, die ursprünglichen Farben herauszufinden und das Prunkstück dann wieder originalgetreu zu restaurieren. Auch die Fenster und die Fassade der ehemaligen Bäckerei stehen unter Denkmalschutz. Mit einem neuen Pächter will Johannes Cassens die Teestube bald wieder eröffnen. Doch der lange Winter und andere, unerwartete Probleme machten den Umbau zur Nervenprobe. Mehrfach muss die Eröffnung dieser typisch ostfriesischen Attraktion verschoben werden.
Ebenfalls zu Ostfriesland gehören die imposanten Gulfhöfe mit ihrer teils prächtigen Wohnhäuser und riesigen Scheunen. Etwa 2000 gibt es davon noch an der Küste, viele sind inzwischen verfallen, weil es für sie keine landwirtschaftliche Nutzung mehr gibt. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus hat den Gulfhof nun in diesem Jahr zum Bauernhaus des Jahres gekürt. Das soll dem Gebäude eine neue Aufmerksamkeit verleihen. Zum Festakt kommt sogar der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies. Die Veranstaltung hat der Architekt und Denkmalpfleger Kai Nilson organisiert. Mehr als 200 Gäste sind dazu in den Buchenhof nach Dornum gekommen. Dort hat bis vor einigen Jahren noch der beliebte Künstler Konrad Onnen gelebt und gearbeitet.
Die Dokumentation aus der Reihe „nordstory“ begleitet die engagierten Bürger bei der Rettung ihrer Treffpunkte und zeigt, wie man gemeinschaftlich viel erreichen kann.
Die Sendung wird am Donnerstag, 11. Juni 2026 um 14:00 wiederholt.
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